Täterarbeit häusliche Gewalt

Täterarbeithäusliche Gewalt (TäHG) meint sozial-therapeutisches Arbeiten mit Menschen, die Gewalt gegenüber Menschen, die Ihnen nahe stehen, ausüben: d.h., gegenüber der Partnerin/dem Partner, Kindern oder anderen Familienangehörigen. Ziel der Täterarbeit ist es, gewalttätiges Verhalten zu beenden. Dazu bedarf es folgender Schritte:

Verstehen des eigenen Verhaltens,
Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln
Veränderung des Handelns

Diese Schritte werden in sozialen Trainingskursen und/oder Einzelberatungerarbeitet.

Für wen ist Täterarbeit?

Gewalt im häuslichen Bereich wird von Männern und Frauen ausgeübt. Da die schwereren Gewalttaten häufig von Männern ausgeübt werden, bieten wir unsere Kurse und Beratungen zunächst nur für Männer an. Gegebenenfalls werden wir ein entsprechendes Angebot für Frauen einrichten.
Teilnehmer kommen z.T. über juristische Wege in unsere Kurse. Dies sind

Verhängung einer Bewährungsstrafe nach § 56 ff. StGB,
Verwarnung mit Strafvorbehalt nach § 59 ff. StGB,
Einstellung des Verfahrens bei Erfüllung von Auflagen und Weisungen nach § 153 a StPO.

Daneben können Männer selbstverständlich auch auf freiwilliger Basis teilnehmen, oder weil ihnen dies von anderen Stellen wie z.B. Polizei, Jugendamt oder anderen Beratungsstellen nahe gelegt wurde.

Und die Partnerin?

Der Sicherheitsaspekt der Partnerin ist uns wichtig: Durch die Teilnahme des gewalttätigen Mannes an einem Täterprogramm darf die Sicherheit der Frau nicht gefährdet werden. Wir nehmen zu Beginn des Kurses Kontakt zur Partnerin auf, unterrichten sie über die Programminhalte und weisen darauf hin, dass die Kursteilnahme nicht automatisch ein Ende der Gewalthandlungen bedeutet. Wir geben den Partnerinnen Informationen über spezifische Frauenunterstützungsangebote und informieren sie im Falle eines Abbruchs oder Ausschlusses aus dem Täterprogramm.

Was soll mit Täterarbeit erreicht werden?

Ziele unserer Kurse und Beratungen sind:

Gewaltfreiheit des Mannes gegenüber seiner Partnerin/Expartnerin und seinen Kindern,
Verantwortung für die Gewalthandlungen und sein generelles Handeln zu übernehmen,
Erreichen einer verbesserten Selbstkontrolle des Teilnehmers,
Förderung einer differenzierteren Selbstwahrnehmung,
Verbesserung der sozialen Kompetenz.

Und wie?
Methodisch und inhaltlich arbeiten wir im Sinne der Standards zur Täterarbeit (BAG Täterarbeit) folgendermaßen:
1. Täterarbeit führen wir primär als Gruppenangebot durch, sie erfolgt bei uns in halb-offenen Gruppen (neue Teilnehmer können zum ersten Treffen des Monats in die Gruppe einsteigen)
2. Anwendung des methodischen Mittels der Rekonstruktion der Tat (Slow Motion)
3. Erstellen individueller Sicherheits- und Notfallpläne
4. kritisches Hinterfragen bestehender Frauen- und Männerbilder
5. Selbstwahrnehmungs- und Kommunikationsübungen, um sich und andere realistischer einschätzen zu können.
Dabei arbeiten wir mit klientenzentriert und systemisch orientierten Ansätzen: Wir gehen davon aus, dass das Gewaltverhalten vor dem Hintergrund des persönlichen Selbst- und Rollenbildes des Teilnehmers zu sehen ist. Darüber hinaus muss es in Zusammenhang mit seinen Beziehungen und Bezugssystemen gestellt werden. Grundsätzlich aber ist jeder jederzeit für das eigene Handeln sich selbst und anderen gegenüber verantwortlich.

Was kann Täterarbeit nicht?

Täterarbeit wie WoGe e.V. sie durchführt ist ein soziales Training zur Verantwortungsübernahme. Sie stellt keine Heilbehandlung dar und ersetzt keine Therapie! Trotz vieler Erfolge und positiver Auswirkungen auf die Männer und die Familien bietet sie keine Garantie für Gewaltfreiheit. Vielmehr möchten wir die Partnerinnen und Familien ermutigen, sich ihrer eigenen Rollen im Beziehungsgefüge bewusst zu werden und auf Gewalt erhaltende Strukturen hin zu untersuchen und zu ändern.

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